Der Körper ist die Projektionsfläche der Gefühle

Viele Redewendungen aus der Alltagssprache geben einen Hinweis darauf:
Gelähmt vor Angst
Schockstarre
Sich vor angst in die Hose machen
Der Schreck fährt einem in die glieder
Etwas liegt einen im magen
Vor Freude hüpfen
Schmetterlinge im bauch

Gefühle können uns also beflügeln oder lähmen.

Gefühle konfigurieren die Körperfunktionen (siehe auch survival circuit).
Körperhaltung, Körpersprache wirkt wiederum auf den Gefühlshaushalt zurück.
Gefühle und Körper stehen in einem starken Wechselwirkungsprozess.


Beispiel Beleidigte Leberwurst

Hintergrund dieser Redensart ist die Vorstellung der Medizin des Altertums und des Mittelalters, dass die Leber. Sitz der Körpersäfte und des Temperaments sei. Insbesondere der Zorn wurde hier verortet. Diese Vorstellung hielt sich in der deutschen Sprache noch bis in das 17. und 18. Jahrhundert, wie literarische Zeugnisse belegen. So dichtete Paul Fleming (1609–1640) in seinem „Früelings-Hochzeitgedichte“:
Vergebens ist uns nicht die Leber einverleibet:
sie, sie ist unser Gott, der uns zum Lieben treibet.
Wer gar nicht lieben kan, der wisse, daß anstat
der Leber er faul Holz und einen Bofist hat.
– Paul Fleming: Früelings-Hochzeitgedichte
Deutlicher noch drückt es Christoph Martin Wieland (1733–1813) in seinem „Hexameron von Rosenhain“ aus:
Diese Nachrichten waren mehr, als nötig war, die Leidenschaft, die sich in seinem Herzen oder (wie die Alten meinten) in seiner Leber zu bilden anfangen wollte, im Keim zu ersticken.
– Christoph Martin Wieland: Das Hexameron von Rosenhain
Den gleichen Hintergrund hat auch die Redensart „Etwas frei oder frisch von der Leber weg sagen“, die das offene, rückhaltlose und freimütige Sprechen meint. Deutliche Nähe zur „Beleidigten Leberwurst“ weist die Redensart, jemandem sei „Eine Laus über die Leber gelaufen“, auf: Hier ist es ein nichtiger Anlass – die kleine Laus –, die zu Verärgerung und Zorn führt. Möglicherweise ist in diesem Zusammenhang auch die seit dem Jahr 1920 nachweisbare Bezeichnung einer sich geziert gebenden oder prüden Dame als „Feine Leberwurst“ zu sehen.

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