All Make up. Die Macht der Zuschreibung

Fountain (Fontäne) ist ein Ready-made von Marcel Duchamp aus dem Jahr 1917. Das Objekt, ein mit „R. Mutt“ signiertes handelsübliches Urinal aus einem Sanitärgeschäft, zählt zu den Schlüsselwerken der modernen Kunst. Seine „Nicht-Ausstellung“ bei der großen Schau der Society of Independent Artists im New Yorker Grand Central Palace im April 1917, führte zu einer Kontroverse über den Kunstbegriff. Das Original von 1917, von dem lediglich ein Fotodokument existiert, ist verschollen. Von Duchamp autorisierte Repliken in unterschiedlichen Ausführungen finden sich weltweit in den Sammlungen namhafter Museen.
Wenn alle sagen: das ist Kunst dann ist es Kunst. 

Wenn alle sagen: das ist ein Wunder dann ist es ein Wunder.
Siehe Fellinis Marienwunder in la dolce vita.
"Als zwei Kinder behaupten, ihnen sei die Madonna erschienen, sammeln sich Fernsehen, Paparazzi und fanatische Wundergläubige an der Stelle, Lahme und Blinde folgen den Kindern zur Wunderwiese und zum Wunderbaum – bis die ganze mediale Zeremonie im prasselnden Sommerregen ein Ende findet."
Es müssen sich nur genügend Leute finden und es wird wahr.


Wie beim Pymalion-Effekt.
Die wirklichkeitsgenerierende Macht der Zuschreibung funktioniert auch anders herum

Wenn man  Mädchen auf ihr Geschlechtsein hinweist, lösen sie Matheaufgaben schlechter. .
Erinnert man Schüler aus eine niedrigen kaste an ihre Herkunft, sinkt ihre Leistung beim Lösen von Schulaufgaben 

Die Konstruktion sozialer Wirklichkeiten  funktioniert über gemeinsam geteilte Intentionalität.
Searle beschreibt das zentrale Thema seiner Ontologie sozialer Phänomene wie folgt:

„Ein rätselhaftes Phänomen der sozialen Wirklichkeit ist die Tatsache, dass sie nur existiert, weil wir denken, dass sie existiert. Es ist ein objektives Faktum, dass das Stück Papier in meiner Hand ein 20-Dollar-Schein ist, dass ich ein Bürger der Vereinigten Staaten bin oder dass Giants die Athletics im gestrigen Baseballspiel 3-2 besiegt haben. All dies sind objektive Fakten in dem Sinne, dass sie nicht von meiner Meinung abhängen. Wenn ich das Gegenteil glaube, liege ich einfach falsch. Aber diese objektiven Fakten existieren nur durch eine gemeinsame Akzeptanz oder Anerkennung.“
Searles Ziel ist es, zu verstehen, wie objektive Fakten in der Welt abhängig von menschlicher Anerkennung sein können und wie derartige Fakten überhaupt entstehen. Er bedient sich bei der Erklärung der philosophischen Werkzeuge, die er in der Sprachphilosophie und der Philosophie des Geistes entwickelt hat. Insbesondere die Begriffe der Intentionalität und der konstitutiven Regel kommen in Searles Philosophie der Gesellschaft an zentraler Stelle erneut vor. Searle beansprucht, die Konstruktion sozialer Wirklichkeiten durch drei grundlegende Prozesse erklären zu können:

Kollektive Intentionalität: Die Fähigkeit zu kooperativem Verhalten und gemeinsamer Absicht. Beispiele: Ein Instrument spielen als Teil eines Orchesters, Fußball spielen als Teil eines Teams.
Zuschreibung von Funktionen: Einer Entität eine Funktion zuschreiben, die sie nicht von selbst hat. Beispiele: einem Baumstumpf die Funktion des Stuhl zuschreiben, Stein als Hammer.
Konstitutive Regeln: Im Gegensatz zu regulativen Regeln ermöglichen konstitutive Regeln erst das Verhalten, das sie regeln. Konstitutive Regeln ergeben sich in einer Gemeinschaft aus dem Zusammenspiel von kollektiver Intentionalität und der Zuschreibung von Funktionen: Man kann einem Objekt eine Funktion zuschreiben, die nicht auf physischen Eigenschaften beruht, sondern auf dem gemeinsamen Anerkennen des Objekts als etwas anderes. Beispiel: Eine Mauer kann aufgrund ihrer physischen Eigenschaften die Funktion einer Grenze zugeschrieben werden. Man kann aber auch einer Linie diese Funktion zuschreiben, wenn die Gemeinschaft die Linie als Grenze anerkennt. Die Grenze wäre somit erst durch eine soziale Regel konstituiert.

Also selbst wenn Paul Watzlawick und du ganz fest der Meinung seid, daß das Glas halbvoll ist, reicht das nicht, wenn alle anderen das Gegenteil denken.
Bei negativen Zuschreibungen gilt:
Positiv denken macht krank,wenn man der Einzige der so denkt.

John Rogers Searle (IPA: [/sɜrl/]) (* 31. Juli 1932 in Denver, Colorado) ist ein amerikanischer Philosoph. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Sprachphilosophie, die Philosophie des Geistes, Sozialontologie sowie Teile der Metaphysik. Searle ist Professor für Philosophie an der University of California, Berkeley.


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