Sich verfranzen bringt Segen

Franz als Spieler
Die kaum noch erträgliche leichtigkeit des seins
Wie sagte wittgenstein: der mensch solle sich zum sein verhalten wie beckenbauer zum Ball

Franz als trainer: 
Ein Trainer ist kein Spieler.
An Warnungen hat es nicht gefehlt. Daß Star-Spieler so selten gute Trainer werden wie herausragende Schauspieler große Regisseure, wußte man nicht erst seit dem Scheitern von Ferenc Puskas und Alfredo Di Stefano. Viele deutsche Bundesliga-Trainer, ohnehin in ihrer Eitelkeit gekränkt, weil Franz Beckenbauer ohne Lizenz auf die Trainerbank rutschte, wollen es nun immer gesagt haben, daß der Spieler-Star von einst als Fußball-Lehrer nicht der "Glücksfall" sei, den Bayern-Manager Uli Hoeneß anfangs in ihm sah.
Er arbeitet mit den Methoden, die er als Spieler entwickelt hat, um auf dem Platz bestehen zu können. Beckenbauer wurde Weltstar, weil er lernte, Situationen in Sekundenschnelle zu erfassen. Zugleich gehörte es zu seinen existentiellen Überlebensbedingungen, Störungen seiner Selbstkontrolle und seiner Disziplin durch sorgfältige Vorbereitung auszuschalten. Da ist er Perfektionist. Kein Wunder, daß Ruhe und Ordnung Zentralbegriffe seines Lebens geworden sind. Bayrisches Naturell und Berufserfordernisse ergänzten sich nahtlos.
Für einen, dem sich das Leben auf dem Fußballfeld verdichtet und der für den Kampf dort so vorzüglich gerüstet ist, mußte es nur zu natürlich sein, die dort erlernten Kategorien auch in der Realität außerhalb der Arena zu erproben. Franz Beckenbauer hat es mit um so größerem Erfolg getan, als auch dort sein Leben vorwiegend um den Fußball kreiste.
Tatsächlich sind sein Blick fürs Detail, seine Offenheit in jedem Augenblick, seine Reaktionsfähigkeit auf Unerwartetes auch außerhalb des Stadions inzwischen bestechend. Vor allem was er zur Situation des deutschen Fußballs, der Mannschaft und der einzelnen Spieler sagt - im jeweiligen Augenblick ist es immer richtig.

Nur hat Franz Beckenbauer nie gelernt, diese schnelle Folge von Einzelanalysen in ein übergreifendes Konzept einzuordnen. So entsteht ein Bild aus widersprüchlichen Einzelteilen, das eher Verunsicherung auslöst als Klarheit bringt. Seinen Mitmenschen stellt sich das oft als Unentschiedenheit dar, was wiederum ihn irritiert.



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