Neuroleadership

Zwar nimmt Elger jene Skeptiker durchaus ernst, die argwöhnen, der 2006 in den Vereinigten Staaten geschaffene Begriff sei lediglich ein neues Wort für alte Inhalte beim Training von Führungskräften. Andererseits steht für den Wissenschaftler fest, dass die Hirnforschung zunehmend mit der klassischen Psychologie konkurriert, sie ergänzt, prüft und mitunter zu komplett neuen Ergebnissen kommt.
Die Wandlungsfähigkeit oder Neuroplastizität des Gehirns, die dem Menschen lebenslang die Fähigkeit zum Lernen und zur Weiterentwicklung verleiht, stellt den Grundpfeiler für Neuroleadership dar. Diese Plastizität lässt sich auf der Ebene der Materie festmachen, wie die Hirnforschung gezeigt hat: In Sekundenschnelle können sich schon bestehende Kontaktstellen, die Synapsen, zwischen Nervenzellen verstärken. Bei Bedarf werden auch neue Synapsen angelegt, was vielleicht Stunden dauert. Beides dient dem Lernen und dem Gedächtnis. Entgegen einem lange zäh verteidigten Dogma können im Gehirn von Erwachsenen sogar neue Nervenzellen heranwachsen. Auch dieser Prozess, der Tage erfordert, steht im Dienste des Lernens. Die Möglichkeiten, die sich infolge der Plastizität für die Weiterentwicklung des Menschen ergeben, wird nach Elgers Überzeugung noch nicht voll erkannt, zum Beispiel in der Wirtschaft.
Im Fokus der Neuroleadership-Forschung steht auch das emotionale System, das Reaktionen wie Vorfreude, Wut, Furcht und Panik hervorruft. Als wichtige Struktur wurde der paarige Mandelkern identifiziert, der mit vielen anderen Hirnteilen in Verbindung steht. Er kann eintreffende Informationen aufwerten und zum Beispiel bewirken, dass Hormone ausgeschüttet werden, die das Wohlbefinden fördern. Anders als im Alltag wird in der Forschung zwischen Emotion und Gefühl unterschieden. Emotionen steuern unser Verhalten und werden uns erst bewusst, wenn sie sich als Gefühl äußern. Neuroleadership zielt darauf, mit eigenen und fremden Emotionen so umzugehen, dass das Belohnungssystem aktiviert wird.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/geisteswissenschaften/neuroleadership-fuehren-mit-mehr-geist-oder-mehr-hirn-1815065.html
Christian Erich Elger (* 21. Oktober 1949 in Augsburg) ist ein deutscher Neurologe. Nach dem Abitur 1968 in Stuttgart studierte Elger zunächst Mathematik und Biologie in Tübingen. Er wechselte nach Münster und studierte dort Medizin. 1976 erhielt er seine Approbation, zwei Jahre später promovierte er.
Anreiz und Belohnungssystem 
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